„Ich bin aufgewacht!“

Evangelisches Forum Werra-Meißner im Gespräch über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl

Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl erinnerte das Evangelische Forum Werra-Meißner zusammen mit dem Verein der Freundinnen und Freunde für jüdisches Leben im WMK am Donnerstag, 23.09.2021 an die Widerstandskämpferin der Weißen Rose, die am 22.02.1943 von den Nazis hingerichtet wurde. An der Veranstaltung in der ehemaligen Synagoge in Abterode nahmen 15 Personen in Präsenz teil. Ebenso viele waren digital über Zoom zugeschaltet.

Der Referent, Dr. Daniel Bormuth, zeichnete sehr lebendig das Leben einer jungen Frau, die zunächst vom Aufbruch der Jugend im Nationalsozialismus begeistert war, sich dann aber zunehmend gegen den totalitären Machtanspruch, gegen Massenhysterie und ideologische Vereinnahmung zur Wehr setzte. Dabei prägte sie die pazifistische und liberale Gesinnung ihres Vaters und die tiefe, evangelische Frömmigkeit ihrer Mutter.

Im Gespräch mit Sieglinde Repp-Jost und Dr. Martin Arnold wurde klar, dass Sophie Scholl keine Heilige war, sondern eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Identität, widersprüchlich, zartfühlend, manchmal auch verletzend und egoistisch. Aber die bereit war, hinzuschauen und mit ihrem Denken, Fühlen, Wollen und Handeln schließlich Verantwortung übernahm.

Was bleibt? Auch wenn wir heute in anderen Zeiten leben, gilt es doch wieder aufmerksam und wachsam zu sein gegen neue Nazi-Parolen, gegen Hetze und ideologischen Mainstream. Kritisches Denken, Empathiefähigkeit und Urteilsvermögen sind heute in Schule und Konfirmandenunterricht genauso gefragt und wichtig.

Musikalisch gerahmt wurde die Veranstaltung von Hannah Maria Bormuth an der Bratsche.

Sieglinde Repp-Jost

von links: Dr. Martin Arnold, Sieglinde Repp-Jost, Hannah-Maria und Dr. Daniel Bormuth