„Im Weltabenteuer Gottes leben“ – Reformatorische Impulse wider Erschöpfung und Optimierung

Vortrag im Evangelischen Forum Werra-Meißner am 29.10.2021 von Dr. Dr. Günter Thomas, Professor für systematische Theologie und Ethik an der Ruhr-Universität Bochum.

Vortrag von Prof. Dr. Dr. Günter Thomas in der ehemaligen Synagoge über Zoom

„Ich möchte Sie heute Abend in ein Abenteuer entführen,“ mit diesen Worten begann Prof. Dr. Dr. Günter Thomas am Vorabend des Reformationstages einen anregenden sowie anspruchsvollen Vortrag im Evangelischen Forum Werra-Meißner. Das Hybrid-Format, das in Präsenz in der ehemaligen Synagoge in Abterode stattfand, ermöglichte es, dass sowohl der Referent als auch Gäste aus dem Werra-Meißner-Kreis und von weiter her digital per Zoom zugeschaltet waren.

Die Reformation, so Thomas, verdanke sich einem radikalen Blickwechsel: Vom Menschen hin zu Gott und vom Tun hin zum Lassen. Gott komme uns Menschen zuvor, das sei die provozierende Entdeckung der Reformatoren gewesen.

Mit diesem Perspektivwechsel fällt auch ein neues Licht auf die Gegenwart.

Viele Menschen, so Pfarrerin Repp-Jost zu Beginn, fühlen sich von den zahlreichen Krisen, Katastrophen und Problemen der vergangenen Monate überfordert, gehetzt, bedrängt und erschöpft. „Geht das Boot, in dem wir sitzen, unter?“ ist die unausgesprochene Frage. Mit dem befreienden Blickwinkel der Reformation könnte man entspannter und zugleich viel mutiger mit den Herausforderungen umgehen, so Thomas: „Die Welt, das Klima, die Kirche zu retten, ist nicht dein Projekt, sondern zuerst Gottes Verantwortung.“ Das heiße nicht, die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun. Es könne aber nur der Verantwortung übernehmen, so Thomas, der wisse, wofür er keine Verantwortung trage.

Thomas machte deutlich, wie die Reformation auch dem modernen Anspruch der Optimierung und der Steigerungslogik widerspricht. Es gehe nicht darum, immer schneller, immer besser zu werden, weder religiös noch moralisch. Wenn man die „guten Werke“ ins Zentrum des Engagements stelle, öffne man der Menschenverachtung die Hintertür.

Eine besondere Lanze brach Thomas für die „Alltagschristen“, für alle Männer und Frauen, die ihr Christsein im normalen Alltag nicht verstecken, sondern leben. Das müsse man heute viel mehr würdigen und unterstützen.

„Ein powervoller Vortrag,  ziemlich viel und manches irritierend,“ so das Resümee einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer, „aber auch anregend. Darüber müssen wir unbedingt noch einmal diskutieren.“

Diesen Wunsch greift das Evangelische Forum auf und lädt ein zu einer Gesprächs- und Diskussionsrunde zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Günter Thomas am Freitag, 12. November 2021 um 19.00 Uhr im Gemeindehaus Marktkirche in Eschwege.

Anmeldung bei Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost bis Dienstag, 09.11.2021